Dienstag, 25. August 2009
Auf zwei Rädern ging es in den letzten Jahren technisch gesehen massiv vorwärts: Neuentwicklungen übertroffen von Weiterentwicklungen sorgten für jede Menge Gesprächsstoff – schließlich wurden Produkte auf den Markt geworfen, die das Zweiradsegment in vielen Teilbereichen gewissermaßen revolutionierten.

Es geht jedoch auch anders, denn in vielen Innenstädten dominiert momentan eine komplett andere Erscheinung:
Die Rede ist vom wiederentdeckten Trend des Singlespeed (englisch: Ein-Gang) Antriebs.
„Back to the roots“ und „weniger ist mehr“ können als Leitbilder dieser Bewegung verstanden werden.
Die Idee dahinter ist einfach, die Vorteile liegen auf der Hand: Das Fahrrad verfügt lediglich über einen Gang mit einer vorher festgelegten Übersetzung. Probleme mit einer hakenden, lauten, unsauber arbeitenden und oftmals auch überflüssigen Kettenschaltung entfallen komplett.
Zugegeben: Wirklich zu empfehlen ist diese Art des Antriebs nur für eine relativ ebene Umgebung ohne rapide Anstiege. Also eine ideale Lösung für die meisten (Innen-)Städte.

So auch bei uns in Köln: Viele erkannten bereits vor einiger Zeit oder erkennen aktuell die klaren Vorteile des Minimalismus und sind mit einem Gang im Stadtleben unterwegs.
Unterwegs sind wir deswegen heute mit Jessica und Pascal. Beide haben sich vor kurzer Zeit von ihren bisherigen Stadtschlitten getrennt und die Entscheidung für ein neues Gefährt aus der Singlespeed-Familie gefällt.
Pascal: „Für die täglich anstehenden Fahrten, zum Beispiel zur Uni oder zum Sport reicht mir die einfache Geschichte völlig aus. Bei meinem alten Rad, irgendwas Altes in Richtung Tourenrad, gab es oft Probleme mit der Schaltung, zum Teil durch Verschleiß aber auch durch Vandalismus. Einmal gegen das Schaltwerk getreten und schon war ich rund 50,-€ für die Reparatur los. Auf Dauer hat auch die dauernde Einstellung von der Schaltung einiges an Geld verschlungen und wirklich gefahren bin ich sowieso nur zwei oder drei Gänge“
Nicht zuletzt wegen der bisher ungewohnten, für diesen Radtyp aber charakteristischen Optik finden die Räder schnell Gefallen:
Jessica: „Ungewohnt war am Anfang, dass an dem Rad überhaupt nichts dran war – kein Licht, kein Gepäckträger, nicht einmal eine Klingel. Andererseits war die Optik dadurch jedoch total sauber und ungestört. Die knalligen Farben sind zwar Geschmacksache, mir gefiel das Ganze aber von Anfang an irgendwie recht gut. Die ersten Kilometer auf der Straße hat es jetzt bereits hinter sich, allerdings mit nachgerüsteter Klingel…“

Zwar stellt der eine einzige Gang im ersten Moment eine Einschränkung dar, doch nach einer gewissen Eingewöhnungsphase hat man sich in der Regel schnell an den härteren Antritt nach dem Grünsignal an der Ampel gewöhnt und meistert dann auch die höheren Trittfrequenzen bei schneller Fahrt lässig.
Wer von den Problemen mit seiner Kettenschaltung genug hat, auf ein paar Gänge jedoch nicht verzichten möchte, findet ein durchaus ähnliches Konzept: Die so genannten Hybrid-Bikes bieten die Sorglosigkeit und das puristische Design ähnlich den Singlespeed-Modellen, verfügen jedoch über eine Nabenschaltung, womit die gesamte Technik des Schaltapparates vor äußeren Einflüssen und Beschädigungen im Nabenkörper geschützt ist.
Die Varianten der Nabenschaltung reichen in der Regel von drei bis neun Gängen und haben, mit kleinen Abstrichen, ein ähnliches Schaltspektrum wie die Kettenschaltungen.
Einziger Nachteil ist hier das etwas höhere Gewicht im Vergleich zur konventionellen Schaltung.
Pascal: „[…] Kurz war da natürlich der Gedanke ein wenig mehr zu Geld bereit zu halten und dann auf die Nabenschaltung umzusteigen. Nur wie gesagt, brauchen tu ich wirklich nur ganz wenige Gänge, da lag das Singlespeed Rad näher“

Im Gegenzug geht es allerdings auch noch extremer, als mit dem Singlespeed Antrieb unterwegs zu sein. Wer möchte fährt mit einem Fixed Gear (engl. Starrer Gang), kurz Fixie. Das bedeutet die Kurbelarme drehen sich dauerhaft mit, da die Hinterradnabe, ebenfalls nur mit einem einzigen Gang ausgestattet, zudem keinen Freilauf besitzt. Gebremst wird wahlweise durch die konventionellen Bremsen oder, für die „harten Jungs und Mädels“, durch Blockieren oder Verlangsamen der sich drehenden Kurbelarme, wodurch das Hinterrad direkt blockiert wird.
Doch hier ist Vorsicht geboten: Ein hohes Maß an fahrerischem Können ist der Benutzung des Fixies vorausgesetzt. Wer außerdem komplett ohne Bremsen fährt, sich also nur auf das Bremsen durch Blockieren des starren Ganges verlässt, darf im Straßenverkehr nicht teilnehmen. Der Ursprung dieses Radtyps kommt vom Bahnradfahren – Dort sind solche Räder ohne Bremsen wohl auch am besten aufgehoben.
Jessica: „Ein Fixie käm für nicht in Frage. Zwar bin ich darauf auch mal ´ne Runde Probe gefahren, die Möglichkeit das Treten zwischendurch einzustellen und nur zu rollen vermisst man jedoch sehr.“

Deswegen bieten viele Hersteller in ihren Rädern „Flip-Flop-Naben“ an. Diese verfügen auf einer Seite der Nabe über ein starres Zahnrad, auf der anderen Seite über ein Zahnrad mit Freilauf. Mit wenigen Handgriffen lässt sich das Fixie somit zum Singlespeeder umbauen und andersrum.
Halte mal die Augen offen – Du siehst mehr von diesen Rädern, als Du jetzt wahrscheinlich denkst…